
Die Aufgabe von Szenograf:innen, ebenso wie diejenige von Architekt:innen, ist es, Räume zu denken und schließlich zu bauen. Wie aber, wenn man das Prinzip umkehrt und das Zurückbauen bewährter tragender Strukturen an den Anfang eines Neuen setzt? Sollte nicht jeder einmal über den Abbau, den Rückbau, das Dekonstruieren nachgedacht haben?
Die Säulen eines Museums tragen einen Kanon. Zugleich aber strebt das Haus, im besten Fall, danach, die Fundamente bei seinen Besucher:innen zu legen, um diese Setzung, Stockwerk für Stockwerk, in ihrer Fragilität – die sie gerade dann aufweist, wenn sie gut gebaut ist – zu hinterfragen. Und doch bleibt dieser spezifische Raum geprägt von Hierarchien, von Vorstellungen darüber, was drinnen und was draußen ist, was aufgebaut und eingegriffen, nicht zuletzt was unberührt bleiben soll.
Seit nahezu zehn Jahren bleiben die Innenwände der Originalarchitektur von Richard Meier im Museum Angewandte Kunst Frankfurt unangetastet. Jede Ausstellung schafft sich ihren Raum im Raum und stellt immer wieder neu die Frage nach der Um-Nutzbarkeit des Gebäudes, seiner Inszenierung und Dramaturgie. Gemeinsam mit einem Sprengmeister wird nun die Sprengbarkeit der Museumsarchitektur untersucht. Die Arbeit nimmt subtile – zeichnerische wie akustische – Markierungen vor, aber auch handfeste Eingriffe ins Bestehende. Sie regt zur Vorstellung eines Abreißens der tragenden Strukturen im buchstäblichen wie übertragenen Sinne an – nicht aber als destruktive Geste, sondern in einem imaginativen Akt des Um- und Andersdenkens des scheinbar Festgebauten, Konstruierten, das noch immer Spielräume für alternative Bauweisen verborgen hält.



































#24Diskurse über Zukunft – Bernd Kracke, Matthias Wagner K