Digitalisierung
Nachhaltigkeit
Design

In einer Zukunft, in der komplexe digitale Anwendungen alle Lebensbereiche durchdringen und eine Selbstverständlichkeit aufweisen wie heute die Elektrizität, findet eine veränderte Art des Lebens und Wohnens statt.

Im Rahmen des Projekts Post Digital Interior entwickeln die Studierenden Szenarien, in denen technologische und soziokulturelle Aspekte wesentliche Rollen spielen. Gibt es Analogien zu früheren Lebensweisen und Gesellschaftsformen? Was zeichnet gestalterisch nachhaltige Fragestellungen zu Klima, Nahrung, Wasser, Licht, Form und Raum in einer post-digitalen Welt aus?

Suska Bastian, Valeria Castaño Moreno, Luzi Gehrisch, Christoph Gries, Teresa Herzog, Luke Handon, Leonie Morbach, Tobias Rivera, Franca Tasch, Knut Völzke
Post Digital Interior
Suska Bastian & Valeria Castaño Moreno, Speicher Platz

Als symbiotisch angelegtes System bedingen sich bei Speicher Platz alle einbezogenen Komponenten in partnerschaftlicher Weise. Die Natur, die Technik benötigt – und der Mensch, der als technologiegetriebenes Wesen die Natur funktionalisiert.
Es entstehen modulare, dezentrale Aufbauten zum Betrieb von Pflanzenwelten, die als lebende Wände in unterschiedlichste architektonische Szenarien eingefügt werden können. Dabei sind verschiedene Nutzungen denkbar, vom Sauerstofflieferanten im Treppenhaus eines Wohnkomplexes bis zur Nahrungsmittelproduktion in Raumschiffen.

Luzi Gehrisch, fam

Für das Objektkonzept fam kommt im Entwurfsprozess ein programmierter Algorithmus zum Einsatz. Dieser imitiert durch das repetitive Vererben der Objektgeometrien eine biologische Fortpflanzung ihrer Ursprungsform. Kleine Abweichungen bei dennoch erkennbaren Ähnlichkeiten lassen die Objekte als individuelle Wesen mit jeweils eigenem Charakter erscheinen.

Luzi Gehrisch, co-living
Luzi Gehrisch, co-living

Wohnformen wie Co-Housing, Collaborative Living und Cluster-Wohnungen bieten eine Art des Zusammenlebens, die soziale Strukturen verändert. co-living geht gezielt auf diese sich verändernde Zusammenhänge ein. Verschiedene Entwürfe begegnen den Herausforderungen durch strukturierende Ordnungssysteme und Arbeitsflächen in einem modularen System, das eine einfache Zuordnung der Gebrauchsgegenstände ermöglicht. Die ergonomisch gestalteten Elemente sind auf den flexiblen Gebrauch durch eine Gruppe von Nutzer:innen hin ausgelegt.

Christoph Gries, Leben im klimatischen Determinismus
Christoph Gries, Leben im klimatischen Determinismus
Christoph Gries, Leben im klimatischen Determinismus

Eine Zukunft mit drastisch verändertem Klima stellt uns vor die Herausforderung, etablierte Wohnformen zu überdenken und geltende Komfortstandards aufzugeben. Innenräume müssen auf neue Weisen mit dem Außen verknüpft werden. In diesem Entwurf soll ein modularer Wärmeboden als thermisch-soziales Schnittstellenobjekt eine solche Verknüpfung herstellen. Anders als eine herkömmliche Fußbodenheizung lässt sich die wärmeübertragende Fläche aus Kork- und Keramik-Modulen flexibel und reversibel im Baubestand einsetzen. Auf diese Weise können nach Bedarf Wärmezonen innerhalb des Wohnraumes erzeugt werden, die eine homogene Raumheizung ersetzen. Die Wohnung wird zu einem offenen System mit stärkerem sinnlichen Bezug zum Außenklima.

Luke Handon und Tobias Rivera, o. T. Archiv
Luke Handon und Tobias Rivera, o. T. Archiv

Archive bilden Strukturen für ausgewähltes Material, das Vergangenheit und Gegenwart dokumentiert, und erzeugen dadurch eine Grundlage für die Zukunft. o. T. Archiv arbeitet mit einer Bild-Wort-Sammlung auf Basis des komplexen Datensatzes „Visual Genome“. Mit diesem als Basis, filtert und markiert die entwickelte Suchmaschine raumstrukturierende Motive: Treppen, Vorhänge, Balkone oder Geländer werden als konkrete Bauelemente vergleichbar. Ebenso veranschaulichen sie abstrakte Konzepte des Abschirmens, Verbindens, Absicherns, Auf- und Absteigens. o. T. Archiv 2020 ermöglicht einen Blick auf den Wandel in der Gestaltung öffentlicher und privater Raumsituationen und lädt dazu ein, architektonische Bezüge zu hinterfragen und neu zu denken.

Teresa Herzog, Das Lebensmittel produzierende Haus
Teresa Herzog, Das Lebensmittel produzierende Haus

Um weite Transportwege und eine starke Verarbeitung von Nahrungsmitteln zu vermeiden, werden alle freien Flächen des Hauses für die lokale Produktion von Nahrung genutzt. Die Fassade wird zur vertikalen Anbaufläche, Laubengänge werden zu Gewächshäusern und schnell wachsende Nahrungsmittel wie Mikroalgen, Kräuter und Insekten lassen sich direkt in der Küche kultivieren.
Die Kücheninsel ist dabei nicht nur informeller Treffpunkt und Ort des kooperativen Kochens, sondern beinhaltet ebenso den Anbau von Nahrungsmitteln. Durch die Kompostierung von Bioabfällen in einer Wurmkiste schließt sich der Kreislauf, indem der dabei entstehende Humus für die Anbauflächen des Hauses genutzt wird.

Leonie Morbach, ELI – Melanopisches Licht im Raum
Leonie Morbach, ELI – Melanopisches Licht im Raum

ELI sind intelligente Spiegel zur Weiterleitung von natürlichem Licht bis in verwinkelte Innenräume, um den menschlichen Organismus signifikant mit mehr Sonnenlicht zu versorgen. Das ELI-System bestehend aus einem oder mehreren Spiegelobjekten, die dem Verlauf und dem Einfall der Sonne in Räumen folgen. Sie positionieren sich autonom und formen ihre Spiegeloberflächen je nach gewünschtem Lichteffekt. Das einfallende Sonnenlicht kann direkt weitergeleitet, gebündelt oder gestreut an die gewünschten Stellen „transportiert“ werden, um dort ihre besondere Wirkung zu erzeugen.

00:00
0
#24Off_lineDiskurse über Zukunft – Bernd Kracke, Matthias Wagner K