Digitalisierung
Malerei
Autorschaft
Julian Heuser
Genauso passiert

Julian Heuser widmet sich einer Verschiebung zwischen analogen und digitalen Formen der Malerei. Immer wieder ist man vor den Bildern unsicher, ob eine Partie gedruckt oder in echt gemalt wurde. Manche Elemente wirken wie 3D-modelliert oder enden gerade abgeschnitten mitten im Format. Die Linien scheinen sich zu beschleunigen und ins Stocken zu geraten, etwa über ungelenk abknickende Bögen.

Heusers Kompositionen sind Versuchsanordnungen. Der Künstler überträgt eine ergebnisoffene Herangehensweise in der Malerei ins Digitale – d.h. in ein Medium, das man zunächst vielleicht eher mit der Möglichkeit zu größerer Kontrollierbarkeit in der Bildproduktion verbinden würde. Dennoch geht es gerade um das Wechselspiel zwischen analog, per Hand und digital per Grafiksoftware gemalten Partien und Schichten, die in unterschiedlichen Reihenfolgen übereinander gedruckt ihre eigene Zeitlichkeit entfalten. Gemalt wird ebenso in Kooperation mit dem Drucker, der Maschine, die eben nicht exakt umsetzt, was ihr als Datensatz eingetrichtert wurde, sondern die mit der Materialität der Leinwand kämpft, Farben – insbesondere Weißtöne – abweichend von deren Bildschirmdarstellung wiedergibt und haptische Strukturen lediglich zu imitieren weiß. Dabei zieht sich der mit einer Neueinstellung der Wahrnehmung verbundene Wechsel zwischen den Medien aus dem Herstellungsprozess auch bis in die Betrachtungsweise der BIlder hinein: Nur der Blick im physischen Raum, der dennoch durch digitale Sehgewohnheiten geprägt ist, kann den feinen Unterschieden zwischen Gemaltem und Gedrucktem nachgehen, sich durch sie irritiert und fasziniert zeigen.

Für Heusers Genauso passiert dienten eingescannte Zeichnungen als Grundlage, die im Rahmen einer Instagram-Story digital angereichert und mit GIFs versehen wurden. Diese neue Komposition wurde wiederum auf Leinwand gedruckt und erneut analog-malerisch bearbeitet. Auf den Leinwänden schlägt sich sichtbar das Eigenleben der verwendeten Technologien sowie ein Interesse des Künstlers für die digitalen Möglichkeiten der produktion und Präsentation nieder. Doch ist der Computer ist hier kein Hilfsmittel, um kompositorische Unklarheiten im Vorfeld aus dem Weg zu räumen. Vielmehr ist der Künstler an den Zwischenräumen des Kalkulierbaren interessiert, in denen sich der digital gezogene und maschinell (re-)produzierte Strich plötzlich zu verhalten beginnt und nicht bloß seine vorbestimmte Bahn auf dem Display verfolgt.

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