


Wie beziehen wir uns aufeinander? Wie tritt man von innen nach außen? Welche Rolle spielt das, was vorher war? Dies sind Fragen, die sich beim Lesen des poetischen Textes der Künstlerin Nina Wood entfalten. Absatz für Absatz folgt man einzeln zusammengestellten Textfragmenten von verschiedenen Autor:innen und Künstler:innen, wie Simone de Beauvoir, Hannah Arendt, Leonardo da Vinci oder Annie Lennox. Stellenweise fügen sich auf Beziehungen, Institutionen und Lebensräume beziehbare Reflexionen eines fiktiven Ichs ein.
Die aus der Demontage hervorgehenden schriftlichen Versatzstücke und ihre daraus entstehende Nicht-Linearität sind gedanklich so frei konzipiert, dass sie sich kaum auf eine einzige Thematik herunterbrechen lassen: Auf diese Weise durchquert man mitunter Passagen über Abdrücke im Schnee, intuitive Bildfindungsprozesse, Trennungsvorbereitungen, (innerliches) Bewegt-Sein oder über Schuhsohlen aus Pommes Frites. Die überindividuellen Zusammenhänge und die sinnlichen Färbungen der Textabschnitte bilden den kleinsten gemeinsamen Nenner. Ganz im Roland Barthes’schen Sinne, dass ein Text als Wiederholung und Variation anderer Texte verstanden werden kann und verschiedenen Lesarten unterworfen ist, entfalten die Abschnitte, außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes, nicht nur jeweils eigene metaphorische Bilder, sondern auch neue Querbezüge untereinander. Dabei erschöpft sich die Zusammenstellung nicht an Analogien, sondern gewinnt eine ganz eigene künstlerische Dynamik.
Das Ausgangsmaterial erfährt durch seine Faltung gleichsam eine formale Metamorphose, ohne dass dem Heft dabei nur eine zugewiesene Position zugeteilt wird. Durch diverse Zusammen- und Auffaltungen verwandeln sich die planen Flächen in skulptural anmutende Falt-Gebilde und lassen, derart variabel aufstellbar, ein exponiertes Licht- und Schattenspiel zu.



























#24Diskurse über Zukunft – Bernd Kracke, Matthias Wagner K